Aleviten sind in der Schweizer Gesellschaft angekommen

 Semah, der kultische Tanz, ist eine der wichtigsten Gebetsformen im Rahmen des Cem, des Gottesdienstes. (Foto: zVg)

Aleviten sind in der Schweizer Gesellschaft angekommen

Vor der ersten kantonalen Anerkennung für eine Religionsgemeinschaft ausserhalb von Christen- und Judentum

Die beiden Alevitischen Vereine Basels sollen die kantonale Anerkennung erhalten. Dies beantragt der Regierungsrat dem Parlament. Der Kanton Basel-Stadt kennt seit 2006 neben der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von Religionsgemeinschaften auch eine Anerkennung ohne die Möglichkeit, Steuern zu erheben.

Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt beantragt dem Grossen Rat, die «Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi» und das «Alevitische Kulturzentrum Regio Basel» kantonal anzuerkennen. Die von der Verfassung von 2006 geforderten Voraussetzungen seien erfüllt, nämlich die gesellschaftliche Bedeutung, das Respektieren der Rechtsordnung und des Religionsfriedens, eine transparente Finanzführung sowie die Möglichkeit, jederzeit auszutreten.

 

Semah, der kultische Tanz, ist eine der wichtigsten Gebetsformen im Rahmen des Cem, des Gottesdienstes. (Foto: zVg)

Gut integriert
Für die Aleviten – nicht nur im Kanton, sondern in der ganzen Schweiz – sei das ein Meilenstein, betonte Hasan Kanber, Vorstandsmitglied der Kulturvereinigung, gegenüber «Kirche  heute». Die Anerkennung mache deutlich, dass sich die Aleviten gut in die Gesellschaft integriert hätten, dass sie in dieser Gesellschaft auf dem richtigen Weg seien. Mit diesem Schritt würden sie auch von Verwaltungsseite akzeptiert und könnten noch besser ihren Platz in den gesellschaftlichen Netzwerken einnehmen. Kanber meint, dass die Aleviten von allen nichtchristlichen und nichtjüdischen Gemeinschaften dem westeuropäischen Lebensstil am nächsten kämen. Diese Lebensart sei weltoffen, Frauen und Männer seien gleichgestellt.

«Frieden machen»
Die Aleviten haben ihre Heimat in Anatolien, sie sind in der ganzen Türkei anzutreffen. Die Wurzeln liegen im Islam. Ein Teil der Aleviten sieht sich dem Islam zugehörig, andere lehnen diese Sicht ab. Eine zentrale Rolle bei der Herausbildung des Alevitentums spielte der Sufimeister Haci Bektaschi-Veli, der im 13. Jahrhundert aus dem Gebiet des heutigen Iran nach Anatolien kam und in türkischer Sprache, nicht in Arabisch, lehrte. Auf ihn beruft sich ein Grossteil der heutigen Aleviten. Deshalb nennen sich viele Aleviten-Bektaschiten. Im Zentrum des alevitischen Gemeinschaftslebens steht die Cem genannte religiös-soziale Versammlung. «Frieden machen» gehört zu jedem Cem. Der Vorsteher der Versammlung, der Dede, fragt zu Beginn dreimal, ob ein Anwesender mit einem andern im Streit ist. Nur wenn sie sich versöhnen, können sie am Cem teilnehmen. Zur Versammlung gehören Ansprachen und Unterweisungen, Gebete und Segnungen und der kultische Tanz zu den Klängen der Saz, einer Langhalslaute.
Aleviten fallen in der Gesellschaft nicht durch eine spezielle Kleidung oder Kopfbedeckung auf. Sie bekennen sich zu Humanität und Demokratie, die Scharia, das islamische Gesetz, lehnen sie seit jeher ab. Zum Beten brauchen Aleviten keinen besonderen Raum und keine spezielle Zeit, sie kennen keine Pflichtgebete. In der Türkei, ihrer Heimat, sind die Aleviten nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt. 

Das Gottesverständnis der Aleviten unterscheidet sich gemäss Angaben der Religions-Inforamtions-Plattform inforel.ch von jenem der Juden, Christen und der sunnitischen Muslime. Jeder Mensch gilt als Manifestation Gottes. Gottlose Menschen sind allerdings missglückte Experimente Gottes. Jedem Menschen wird das Recht der Selbstbestimmung zugestanden. Die sozialen Normen wie die Verbote des Tötens, des Diebstahls, der Verleumdung und des Ehebruchs haben einen hohen Stellenwert. Jenseitsvorstellungen sind eher nebensächlich. 

Alois Schuler

 

Erfahrungen mit Basisgemeinden

Sie prägen die Kirche Lateinamerikas, Afrikas und auch Asiens: kleine christliche Gruppen und Gemeinschaften, die sich regelmässig versammeln, um ihren Glauben zu leben und zu vertiefen: Die Communidades Ecclesiales de Base, die Small Christian Communities, die communautés ecclésiales vivantes, die AsIPA-Gruppen und andere mehr. Drei Dinge halten diese Gruppen zusammen: Das Wort, das Gebet und die Gemeinschaft. In jedem Treffen wird gebetet, aufmerksam auf das Wort Gottes gehört, aber auch alltägliche Sorgen und Nöte besprochen. 

Im Weltmissionsmonat Oktober steht dieses Jahr Tansania im Mittelpunkt. Die Kirche Tansanias ist geprägt durch diese Art des Kircheseins. 20 000 Small Christian Communities (kleine christliche Gemeinschaften) bilden heute das Rückgrat der Kirche in diesem ostafrikanischen Land. Könnte diese Art von Kirchesein auch eine Chance für die Kirche Schweiz sein? 

Der Schweizer Zweig des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio führt gemeinsam mit der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg am 26. September eine zweisprachige Impulstagung durch zu diesem Thema durch. Aus Tansania kommt der Bibliker Br. William Ngowi OFMcap, Brigitte Fischer Züger stellt AsIPA vor und Béatrice Vaucher wird über die Erfahrungen mit der Lektüre des Markusevangeliums in der Westschweiz referieren.

www.missio.ch

http://www.akmb.ch/alewi/administrator/index.php?option=com_content&view=article&layout=edit

 

   
© Alevitisches Kulturzentrum Regio Basel