Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

Den Mitgliedern des Grossen Rates des Kantons Basel-Stadt zugestellt am 17. August 2012.

An den Grossen Rat 10.5393.02 / 10.5395.02

FD/P105393/P105395

Basel, 15. August 2012

Regierungsratsbeschluss vom 14. August 2012

Bericht zum

Gesuch der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi Basel sowie des Alevitischen Kulturzentrums Regio Basel um kantonale Anerkennung gemäss § 133 der Verfassung des Kantons Basel-Stadt und Anzug Atilla Toptas und Konsorten betreffend Aleviten in der Bevölkerung des Kantons Basel-Stadt (P105395) Weiterlesen


Medienmitteilungen des Kantons Basel-Stadt

Grosser Rat
Medienmitteilung vom 05.10.2012 (10:05)
Vorschau auf die Grossratssitzungen vom 17. und 24. Oktober 2012
Der Grosse Rat setzt sich in der Oktobersitzung mit dem Basler Kulturleitbild 2012-2017 der Regierung auseinander. Weiter berät er über Finanzbeiträge an ein neues Pflegezentrum Bethesda, Massnahmen gegen Tramlärm und über die kantonale Anerkennung der Aleviten.

Mit dem neuen Kulturleitbild haben Regierung und Verwaltung eine Auslegeordnung der staatlichen Kulturpolitik und Kulturförderung bis 2017 formuliert. Der Grosse Rat kann das Kulturleitbild lediglich zur Kenntnis nehmen, gleichwohl hat die Bildungs- und Kulturkommission dieses intensiv diskutiert. Sie begrüsst das Leitbild grundsätzlich, hätte sich aber eine stärkere Gewichtung der Volkskultur (z.B. Fasnacht, Laientheater) gewünscht. Wichtig ist ihr, dass sich das Kulturleitbild angesichts des gesellschaftlichen Wandels den Fragen zur kulturellen Teilhabe und Mitgestaltung gestellt hat. Einzelne Mitglieder kritisierten den Verzicht auf detaillierte Angaben zur Mittelzuteilung und die betriebswirtschaftlichen Anforderungen an Kulturprojekte. Weiterlesen


Schätzt keinen Menschen und kein Volk gering!

(Hiç bir insanı ve milleti ayıplamayınız!)

Dies sind die Worte von Haci Bektas Veli (1209- 1295), der eine wichtige Rolle in der Geschichte des anatolischen Alevitentums hat. In einer Zeit, in der Menschenliebe, Toleranz und Respekt vor der Natur ausserordentlich wichtig sind, möchte ich Ihnen das Alevitentum, das diese Werte schützt, näher bringen. Wie so viele türkische und kurdische MigrantInnen aus der Türkei, die hier in Basel und in der Umgebung ihre neue Heimat gefunden haben, bin auch ich Alevit. Ich bin Kurde und stamme aus der Gegend von Dersim (Tunceli). Ich möchte Ihnen mit diesem Artikel unseren Glauben näher bringen und durch das Verständnis den Dialog zwischen den Kulturen und den Religionen fördern. Noch gibt es recht wenig wissenschaftliche Untersuchungen über die lange Geschichte des Alevitentums. Auch beleuchten sie das Alevitentum aus unterschiedlichen Richtungen und kommen damit zu unterschiedlichen Aussagen. Ich selber bin kein "Experte" sondern setze mich seit einer Weile intensiver mit dem Alevitentum auseinander und versuche, mir einen Überblick und eine Meinung zu bilden. Das Alevitentum ist eine eigenständige Religion, die in Anatolien ihre Heimat hat. Die Aleviten bilden in der Türkei heute mit einem Anteil von 20 bis 30 % der Bevölkerung nach den sunnitischen Muslimen die grösste Religionsgruppe. Zu den Aleviten gehören Bevölkerungsgruppen türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft. Wie auch die türkische Bevölkerung sind die Kurden heute mehrheitlich Sunniten, nur ca. 20 % sind Aleviten. Vor der Zwangsislamisierung gehörten jedoch viele Kurden auch dem Jesidentum an, einer Religion, die ihre Wurzeln in den vielen vorchristlichen Religionen dieser Gegend hat Heute gibt es in der Türkei aufgrund der starken Verfolgung keine Jesiden mehr. Wie das Alevitentum definiert wird, hängt von der Perspektive der Person ab, mit der man spricht. Dies ist unter anderem auf die Verfolgung dieser Religion und den damit verbundenen Geheimcharakter dieser Religion zurück zu führen sowie darauf, dass die Aleviten nicht über eine schriftlich fixierte Dogmatik verfügen. Weiterlesen


NESİMİ
Die Aleviten verehren Nesimi als Volksdichter und Heiligen. Leider wissen wir nur sehr wenig über seine Person und sein Leben. Die Daten, die uns vorliegen, basieren zu einem nicht unerheblichen Teil auf Vermutungen und verbale Überlieferungen. Eine der wenigen fundierten Qu
ellen über Nesimi stellt dabei das im Jahre 1546 verfaßte Schriftstück „Latifi Tezkiresi“ dar. Vieles können wir aber auch aus den Gedichten und Schriften Nesimis direkt erfahren.
Nesimi kann
als zweiter Hallac-i Mansur bezeichnet werden, da sich beide Persönlichkeiten in ihrer Weltauffassung und Lehre stark ähneln. Beide sagten „Enel hak“ (Der Schöpfer ist in mir, Ich bin der Schöpfer), und wurden aufgrund dieser nicht verstandenen Worte ermordet, sie wurden Opfer von Dummheit und Intoleranz.Über seinen Geburtsort und seinen Geburtstag ist wenig bekannt. Jedoch vermutet man , dass er zwischen 1339 und 1344 zur Welt kam. Die Geburtsstätte wird heute begrenzt auf die Orte Tebriz, Siraz im Iran; Diyarbakir, Nusaybin und den Irak.
Seine Geschichte begann mit Seyh Sibli, dessen Derwisch er gewesen sein soll, ehe er als Schüler zu Esterabadi ging. Der Gründer des „Hurifismus“ Fazlullah Esterabadi (1339-1394) machte Nesimi schnell zu seinem Vertreter.An dieser Stelle bedarf es der Beschreibung des Hurifismus. Diese Philosophie spiegelt den inneren Glauben (Batinitentum) wider und geht davon aus, dass schlechte Seelen den Körper wechseln und gute Seelen zu ihrer göttlichen Ruhe gelangen können. Der Kern der Religionen entspricht ihrer inneren Bedeutung und nicht der äußeren Hülle. Nicht das banale Wort sei wichtig, sondern dessen wahre tiefe Bedeutung.Fazlullah, der sich bereits in frühen Jahren mit der Wissenschaft beschäftigt hatte , pilgerte mit 18 Jahren zur Hac und war lange auf der Suche nach einer „wahren“Religion, eher er im Hurifismus seine Heimat fand. Er war der Meinung, dass Gott, das Universum und der Mensch eine Einheit seien, womit er durchaus grosse Anerkennung fand. Zwischen 1376 und 1386 begann er mit der Verbreitung seiner Philosophie, wobei er das damals progressive Isfahan (Irak) als Hochburg auserkor. Gleichzeitig postulierte er, der Mehdi zu sein und gründete seinen ersten „Zirkel“ aus sieben Jüngern. Weiterlesen


Die Zwölf Imame
Die Aleviten sind der Meinung, dass, nachdem Tod des Mohammeds, einer aus seiner Familie, aus dem Ehlibeyt, Kalif werden sollte. Sie belegen die Richtigkeit ihrer Meinung mit der Azhap Sure im 33. Kapitel des Korans. Diese Sure lautet: Erhört mich, Ehlibeyt! Gott wünscht euch, dass jede Art von Ungerechtigkeit, Unreinheit und Sünde mit euch nicht begegnet und wünscht euch eine reine Seele. Die Bedeutung dieser Sure lautet, dass diese Familienangehörigen von Geburt aus eine reine Seele haben. Daraus lässt sich schließen, dass diese Menschen eigentlich Kalif werden sollten. Wie bereits erwähnt ist der
Ehlibeyt die Familie bzw. der Stamm des Mohammeds. Der Stamm des Ehlibeyt fängt bei Ali, dem Schwiegersohn und Cousin des Mohammeds, an. Dadurch hatten Ali und seine Söhne Recht darauf Kalif zu werden.
Leider hatten (und haben es heute immer noch!) die sunnitischen Moslems weder eine Liebe noch Respekt diesen Menschen gegenüber, ganz im Gegenteil wurden (werden) sie von den sunnitischen Moslems verfolgt und ermordet. Dieser Hass dauert heute noch. Der Hass hat sich so ausgeformt, dass zuerst Ali danach sukzessiv dieser Stamm verfolgt und ermordet worden ist (worden wird). Alle Imame, außer dem 12. Imam Mehdi, wurden meist vergiftet. Keiner der 12 Imame starben an einem natürlichen Tod.
Die 12 Imame sind den Aleviten sehr wichtig. Sie belegen ihre Liebe an die Imame in ihren Gebeten. Kurz ausgedrückt sind die 12 Imame ein Meilenstein im Alevitentum. Die Aleviten glauben daran, dass der 12. Imam, Imam Mehdi, irgend wann, um ihnen zu helfen, kommen wird.
Die 12 Imame heissen:
Imam Ali, Imam Hasan, Imam Hüseyin, Imam Zeynel Abidin, Imam Muhammed Bakır, Imam Cafer-i Sadık
Imam Musa Kazım, Imam Ali Riza, Imam Mohammed Taki, Imam Ali-u Naki, Imam Hasan Askeri, Imam Mehdi


PİR SULTAN ABDAL
Pir Sultan Abdal ist einer der sieben erfolgreichen alevitischen Volkssängern, bzw. Volksdichtern. Er schützt heute immer noch, nicht nur mit seinem einzigartigen Charakter, sondern auch mit seiner Kunst, Revolutionärität seine Persönlichkeit.
Der Richtige Name des Pir Sultan Abdals ist Haydar. Er stammt aus Yemen ab. Seine Geburts- und Todesdaten kennt man nicht, aber man schätzt, dass er im 16. Jahrhundert gelebt hat.Die wichtigste Besonderheit seines Charakters ist, dass er seine Meinung Folgen bewusst getragen hat, ohne die Meinung durch Furcht zu ändern.
Man deutet aus seinen populären Gedichten heraus, dass er eine sehr große Persönlichkeit hatte. Er war nicht „nur“ ein Dichter, er war, politisch betrachtet, gleichzeitig Sprecher und Führer seines Volkes. Das osmanische Reich wusste von der Liebe seiner Anhänger. Das Reich sah diese Liebe als Gefährlich und verurteilte ihn mit der Todesstrafe. Jedoch hat das osmanische Reich mit seiner Erhängung ihn nicht vernichtet, sondern ihn in den Herzen seines Volkes unsterblich gemacht.Pir Sultan Abdal hat in seinen Gedichten das Alevitentum und die Liebe an seine Vorfahren thematisiert. Diese Vorfahren sind an erster Stelle Mohammed, Ali, die 12 Imame, Haci Bektas Veli.
Pir Sultan Abdal. Er berichtet in seinen Gedichten, dass das Leiden seines Volkes nur mit einer Revolution ein Ende finden kann. Im 16. Jahrhundert litt man in Anatolien unter dem osmanischen Reich. Das Reich verlangte vom Volk sehr hohe Steuern und unterdrückte es mit Gewalt. Wegen diesem Verhalten des Reiches fanden im Reich zahlreiche Aufstände statt. Die Aufstände gefährdeten das habgierige, machtsüchtige Reich. Das Reich unternahm gegen die Aufstände Kämpfe, bei denen unschuldige, unterdrückte Menschen starben. Pir Sultan Abdal reiste durch Anatolien, um ein Bürgeraufstand zu organisieren. Er wollte nicht nur die Aleviten an seine Seite kriegen, sondern jeden Bürger des Reiches, der durch das ungerechte System des Reiches litt. Eins seiner Propaganda Mittel war seine Dichtung, die von der Brüderlichkeit, Gerechtigkeit im Alevitentum handelt. Pir Sultan Abdal herrschte über ein sehr umfangreiches Wissen über das Alevitentum. Seine Gedichte reflektieren sein Wissen. Er lebte und verbreitete seine Religion. Das Alevitentum fordert von den Aleviten gegen Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen sich zu wehren. All dies hat Pir Sultan Abdal gemacht bzw. hat all dies, sein damit verbundenes Verhalten, seine Einzigartigkeit ausgemacht. Er wurde von dem Pascha Hizir (Hinzir) zu Tode verurteilt. Pir Sultan Abdal ist einer der Helden des Alevitentums, denn er hat unterdrückte Mitbürger verteidigt, gegen den osmanischen Reich gekämpft, dadurch hat sein Leben ein ehrenvolles Ende gefunden. Durch ihn hat eine Tradition angefangen. Die Tradition ein ehrlicher Mensch zu sein. Diese Tradition und seine Perspektive sind der Menschheit viel an Bedeutung.

 

 

 

   
© Alevitisches Kulturzentrum Regio Basel