Alevitentum als Religion

  • Die meisten Aleviten kommen aus der Türkei. Sie sind türkischer, turkmenischer, kurdischer und arabischer Herkunft
  • Das Alevitentum ist eine eigenständige Religion, die in Anatolien ihre Heimat hat. Sie ist eine Mischung aus der alten Lehre Zarathustras, dem Judentum, dem Christentum, dem Islam, dem Schamanentum und heute auch dem Humanismus des 20. Jahrhunderts.
    Die meisten Aleviten sind der Meinung, dass das Alevitentum aufgrund absolut wesentlicher Unterschiede nicht zum Islam gehört.
  • Zum Beispiel:
    - kennen sie keine obligatorische Pilgerfahrt
    - werden Armenspenden und Beiträge an die Gemeinschaft nach
    Möglichkeit gegeben
    - sind Alkohol und Schweinefleisch erlaubt.
  • Der Koran ist, wie das alte und neue Testament und die Thora, eine Niederschrift von Offenbarungen.
  • Seit 1400 Jahren ist der Alevismus mit dem Islam zwar in gegenseitiger Koexistenz, er war aber niemals in Übereinkunft und Frieden mit der islamischen Herrschaft.
  • Die alevitische Glaubenslehre geht davon aus, dass der Mensch selbst Gut und Böse erkennen kann. Religiöse Bücher sind weniger wichtig.
  • Aleviten sehen alle Menschen als gleich an. Das Wichtigste ist nicht die Religion einer Person, sondern ob es sich um ein wirklich menschliches Wesen handelt. Genauso wichtig sind Wissen und Vernunft.
  • Lieder und Gedichte bekennen die Philosophie der Aleviten.
  • Das Gebet ist frei von Ritualen, Fasten ist nicht obligatorisch.
  • Das Paradies sehen die Aleviten auf Erden.
  • Sie glauben an eine Wiedergeburt.
  • Aleviten fallen in unserer modernen Gesellschaft nicht auf, weil sie anpassungsfähig sind. Sie tragen, ausser an wenigen religiösen Veranstaltungen, keine spezielle Kleidung oder Kopfbedeckung.

  • Die Gemeinschaft trifft sich zu Cem-Versammlungen mit Tanz, Musik und religiösen Erzählungen.
  • Aleviten gehen eine soziale Wahlverwandtschaft (Musahiplik) und gegenseitige Verpflichtung (Weggemeinschaft) zwischen Einzelnen und Familien ein.
  • Alevitische Frauen sind den Männern gleichgestellt.
  • Die Aleviten lehnen Gewalt und Missionierung grundsätzlich ab.
  • Aleviten befürworten die Trennung von Religion und Staat. Toleranz und Humanität stehen im Mittelpunkt ihres Denkens.

Die Situation der Aleviten in der Türkei

  • Im Vertrag von Lausanne 1923 wurden den armenischen und griechisch-orthodoxen Christen sowie den Juden Minderheitenschutz gewährt, den Aleviten aber nicht.

Diskriminierung der AlevitInnen bis heute

  • Bis heute werden die türkischen und kurdischen AlevitInnen in der Türkei leider diskriminiert.
  • Wir haben uns oft nicht getraut, zu sagen, dass wir AlevitInnen sind.
  • In der Schule, bei den Behörden, bei der Arbeitssuche wurden wir als Aleviten häufig schlecht behandelt.
  • Vor allem während des Ramadan wurden wir als Ungläubige beschimpft.
  • Wir hörten manchmal den Spruch, wer sieben Aleviten umbringt kommt ins Paradies.

Assimilierung der Aleviten in der Türkei und in Europa

  • In der Türkei wie auch in Europa wird versucht, die Aleviten im Islam zu assimilieren. So werden in der Türkei nur Moscheen in den alevitischen Dörfern gebaut und auch hier in Europa wird die Eigenständigkeit des Alevitentums häufig negiert.
  • In der Türkei wird nur die Ausbildung sunnitischer Imame gefördert.
    • Der sunnitische Religionsunterricht ist für alle Kinder in der Türkei obligatorisch.
    • Das Alevitentum wird in den türkischen Medien nicht behandelt.

Das Alevitische Kulturzentrum Regio Basel

  • Das “Alevitische Kulturzentrum Regio Basel” besteht seit mehr als 14 Jahren. Zusammen haben wir mittlerweile mehr als 300 aktive Mitglieder (plus deren Familienangehörige).
  • In Basel und Umgebung leben ca. 8’500 Aleviten. Viele von ihnen haben, ohne Mitglied zu sein, eine regelmässige Verbindung zu unseren Vereinen.
  • Wir bemühen uns, unseren Mitgliedern einen Ort zur Verfügung zu stellen, wo sie die Kultur des Alevitentums in Gemeinschaft leben können.
  • Eigentliche religiöse Handlungen gibt es wenige. Vielmehr stehen das Gemeinschaftsleben, das gemeinsame Essen, gemeinsame Veranstaltungen und Feste im alevitischen Umfeld im Mittelpunkt
  • Seit mehr als vier Jahren bemühen wir uns darum, ein neues Vereinslokal zu finden, da das jetzige zu teuer, zu lärmempfindlich und zu klein ist.
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